WhatsApp-Was tun?

„WhatsApp-Was tun?“: Ein präventives Klassenprojekt zum Jugendmedienschutz

Ausgangslage

In Schulen kommt es immer wieder zu problematischen Situationen bei der Nutzung von Smartphones und Internetanwendungen. Schülern sind dabei starken psychischen Belastungen ausgesetzt: Mobbing- Problematiken, Stalking- Situationen, Ausgrenzung, Verletzung der Persönlichkeitsrechte oder der Privatsphäre, öffentliche Bloßstellung oder starke Schamgefühle bis zu starken Gefühlen der Hilflosigkeit kommen vor. Schüler erleben diese Situationen größtenteils als sehr belastend. Diese Vorfälle haben Einfluss auf die innere Stimmung der Klasse, der Klassengemeinschaft und auf das Unterrichtsgeschehen. Oft werden Konflikte, die in oder durch Messenger wie WhatsApp außerhalb der Schule entstehen in der Schule zum Thema. Genauso finden „reale“ Konflikte in den Anwendungen der Smartphones außerhalb der Schule ihre Fortsetzung.

Schüler werden im Idealfall von ihren Eltern und der Schule auf mögliche „Gefahren“ durch die Nutzung von internetbasierten, sozialen Netzwerken aufmerksam gemacht, sind aber in der konkreten Situation oft überfordert.

Lange versuchen Kinder und Jugendliche, diese problematischen Situationen alleine zu lösen. Technische Möglichkeiten wie das „blockieren“ von anderen Nutzern, ignorieren, „Gegenangriffe“ oder Verteidigung und Erklärungen, sind gängige, aber oft wenig hilfreiche Strategien. Scham, Hilflosigkeit und gefühlter Gruppendruck verschlimmern die Situation des Einzelnen. Opfer bleiben dadurch in der belastenden Situation gefangen, verschärfen sie oder werden selbst zum Täter.

Mitschüler schauen oft lange tatenlos zu, wie die „Opfer“ leiden, möchten aber nicht als „Verräter“ gelten oder selbst in den Fokus der Täter gelangen.

Werden Schüler mit rassistischen, ausländerfeindlichen, angsteinflößenden, pornografischen oder anderen jugendgefährdenden Inhalten über Smartphone oder Internet konfrontiert, fehlen ihnen oft adäquate Handlungsoptionen, um darauf reagieren zu können.

Zielgruppe

Sind Schüler der 5. bis 8. Klassen weiterführender Schulen, sowie deren Klassenleitungen.

Ziele

Kinder und Jugendliche sollen mit belastenden Situationen in sozialen Netzwerken besser umgehen können.

Sie sollen über hilfreiche Denk- und Handlungsstrategien zum Umgang mit psychisch belasteten Situationen im Umgang mit Meiden verfügen.

Umsetzung

Erfahrungen aus einem Vorgängerprojekt flossen in die Erstellung und Umsetzung von „WhtasApp- Was tun“ mit ein: Es wurden Beschreibungen problematischer Situationen gesammelt und digital in einer in Quiz- typischen Aufmachung präsentiert. Die Themen sind:

  • Mobbing
  • Erpressung
  • Nötigung
  • Verletzung von Persönlichkeitsrechten
  • Sexting
  • Stalking
  • Kettenbriefe
  • Umgang mit jugendgefährdenden Inhalten
  • Zivilcourage
  • Häufigkeit der Mediennutzung

Die Datei ist in einem Tabellen- Programm erstellt, damit sie auf nahezu allen Rechnern in Schulen funktioniert.

Wie bei einem Quiz wählen die Schüler eine Zahl aus, hinter der sich eine Situation verbirgt. Gemeinsam wird besprochen, wie mit der Situation am besten umzugehen wäre.

Erfahrungen werden ausgetauscht, Wissen erweitert, Denk- und Handlungsstrategien besprochen und Möglichkeiten erörtert, wer wie wann helfen könnte.

Die Maßnahme wird begleitet durch einen externen Moderator, der wenig oder kein Fachwissen mitbringen muss. Die Schüler sind die Experten.

Das Projekt findet in zwei Schulstunden in den Klassen der 5 bis 8 statt. Der Klassenleiter ist als Beobachter mit im Raum.

Peer-to-Peer- Ansatz

Kinder und Jugendliche entwickeln im Laufe ihrer Schulzeit ihre sozialen Fähigkeiten. Mit steigendem Alter, mit Ausweitung der technischen Möglichkeiten und (auch negativer) Erfahrungen werden diese Fähigkeiten immer wieder erweitert. Der Einfluss der Eltern auf das Verhalten des Kindes nimmt immer mehr ab und die Meinung der Gleichaltrigen nimmt zu. Schüler nehmen Verhaltenstipps von Gleichaltrigen eher an, als von Erwachsenen. Angebotene Denk- und Handlungsstrategien werden eher von Menschen angenommen, die (gefühlt) auf dem gleichen Wissens- und Erfahrungslevel sind. Schüler bilden sich dadurch informell untereinander und sind eine wichtige Sozialisations- Instanz.

Mögliche Ergebnisse:

Hilfe von „außen“ hilft…

Ein Ziel der Methode ist es, zu der Erkenntnis zu gelangen, dass es wichtig und gut ist, sich möglichst frühzeitig Hilfe und Unterstützung von außerhalb des Systems zu holen. In vielen dieser belastenden Situationen kann es nur dann zu einer Veränderung kommen, wenn das geschlossene System durchbrochen wird. Opfer oder Beobachter schalten externe (erwachsene) Hilfe in Gestalt von Eltern, Lehrer oder Jugendsozialarbeitern ein, die intervenieren. Opfer erhalte einen starken Partner an ihrer Seite, der sie stützt und weitere Vorfälle verhindert. Beobachter werden von dem moralischen Druck befreit, tatenlos zuschauen zu müssen. Erwachsene haben andere Handlungsoptionen, als die Betroffenen selbst und können weitere Stellen (Eltern, Schule, Polizei,…) hinzuziehen.

Geschriebenes ist beweisbar…

Es wird erarbeitet, dass geschriebene Nachrichten starke Beweise sind, die sowohl einer Mobilfunknummer, einer Mailadresse, einem Account und damit einer konkreten Person zugewiesen werden können. In Fällen, in denen es zu strafbaren Handlungen kommt, können Nachrichten und Kommentare nachverfolgt werden.

Gestärkte Empathie…

„War nicht so gemeint“ und „war doch nur Spaß“ sind die häufigsten Ausreden, wenn Cybermobbing- Vorfälle bekannt werden. Kurze Rollenspiele und Perspektivwechsel, Reflexion von Situationen und Befindlichkeiten können dazu führen, dass Empathie gestärkt wird, um früher und entschlossener einzugreifen, wenn solche Vorfälle beobachtet werden.

Konsequenzen  beachten…

Über Messenger und im Internet werden oft gedankenlos und aus einer momentanen Laune heraus Texte und Bilder veröffentlicht. Selten werden mögliche Konsequenzen bedacht. Durch das gemeinsame besprechen möglicher Konsequenzen, die aus „problematischen“ Veröffentlichungen entstehen können (öffentliche Bloßstellung, Konflikte, rechtliche und schulische Konsequenzen oder Sanktionen, Eskalation, „Kurzschluss- Handlungen“, etc.) soll ein bewussterer Umgang mit Meinungen und Inhalten gefördert werden.

Der „Schutzraum“ eines privaten Chats oder einer geschlossenen Gruppe existiert nicht. Jeder Kommentar, jeder Medieninhalt kann abgespeichert und ohne Wissen des Urhebers auch öffentlich weiterverbreitet werden.

Umgang mit Kettenbriefen…

Gerade jüngere Kinder werden durch Kettenbriefe verunsichert und verängstigt, die Urängste ansprechen. Nach dem Motto „vielleicht ist ja doch etwas dran“ werden sie weiter verbreitet. Ziel ist es, die Verbreitung von Kettenbriefen zu stoppen, indem die zugrundeliegenden Absichten (z.B. Angst verbreiten) im Gruppengespräch herausgearbeitet werden.

Rahmenbedingungen

Das Projekt  beschränkt sich vorrangig auf den Messenger- Dienst „WhatsApp“, da dieser bei der Zielgruppe die meiste Verbreitung hat und durch dessen Nutzung die meisten problematischen Situationen entstehen.

Es können nicht alle Situationen besprochen werden. Daher wird die Datei und Karten mit den aufgedruckten Situationen dem Klassenleiter an der Schule gelassen, damit dieser das Thema weiterbearbeiten kann.

Das Projekt wurde im Sommer 2016 erstmals getestet. Nach einigen kleineren Modifikationen, wurde es seit dem Schuljahr 2016/ 2017 an weiterführenden Schulen im Landkreis Miltenberg eingesetzt.

Buchung des Präventionsprojektes „WhatsApp-Was tun?“ bei Stefan Adams.